was ist naturheilkunde (ten)?

Auch genannt die Traditionellen Europäischen Naturheilkunde - Seit zweieinhalb Jahrtausenden besitzt Europa ein eigenständiges traditionelles Medizinsystem, das heute unter dem Begriff Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN zu neuem Ansehen gelangt.

 

Die zentrale Grundlage der heutigen TEN - die Lehre von den vier Säften - wurde um 500 v. Chr. vom griechischen Arzt Hippokrates von Kos und seinen Nachfolgern erstmals schriftlich festgehalten. Für über 2000 Jahre blieb es das beherrschende Medizinsystem Europas. Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts führten die Thesen des Arztes Rudolf Virchow zu einer Trennung in 'Schulmedizin' und Naturheilkunde. Auch wenn die Schulmedizin heute das Gesundheitswesen dominiert, hat die Naturheilkunde ihre Wichtigkeit behalten und sich immer wieder durchgesetzt. Sie entwickelt sich ständig weiter und stellt heute ein höchst differenziertes Medizinsystem dar. Immer mehr Patienten nutzen die Möglichkeiten dieser traditionellen und ganzheitlichen Medizin nicht nur ergänzend, sondern als Alternative zur Schulmedizin.

 

Die TEN sieht den Menschen als nicht trennbar von seiner Umwelt. Sie geht davon aus, dass die Natur und ihre Elemente auch im Menschen wirken und sein Leben in Gesundheit und Krankheit prägen. So werden die traditionellen Grundelemente Luft, Wasser, Feuer und Erde heute als Wirkprinzipien verstanden. In der Antike wurden diesen Elementen vier "Säfte" zugeordnet: Blut (Sanguis), Schleim (Phlegma), Gelbgalle (Cholera) und Schwarzgalle (Melancholera), mit ihren je anders gemischten Qualitäten warm, kalt, feucht und trocken. Da die "Säfte" immer als zugleich körperlich, seelisch und geistig verstanden wurden, entstanden daraus auch die vier Grundtemperamente Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und Melancholiker.

 

Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennt die Medizin den Begriff der Homöostase. Dieser meint das innere Gleichgewicht der Zellen, der Flüssigkeiten wie z. B. Blut, Lymphe und Verdauungssäfte, aber auch das seelische Gleichgewicht. Man spricht dabei vom "inneren Milieu". Gelingt es dem Menschen, das Fliessgleichgewicht seiner "Säfte" zu erhalten, so kann er auf äussere und innere Impulse und Anforderungen angemessen reagieren. Das heisst, der Mensch ist gesund. Kommt es zu Blockaden oder zu Verschiebungen im Gleichgewicht der Säfte, den Regelmechanismen der Homöostase, wird der Mensch krank. Indem sie ein bewusstes Einfügen des Menschen in die Rhythmen der Natur, einen geordneten Wechsel von Aktivität und Ruhe, eine Berücksichtigung aller Ebenen des menschlichen Daseins anstrebt, wirkt die TEN im eigentlichen Sinne ganzheitlich und präventiv. Ziel der naturheilkundlichen Behandlung ist es, das "innere Milieu" wieder herzustellen. Das ist die Voraussetzung dafür, die Selbstheilungskräfte des Organismus zu aktivieren und zu modifizieren. Eine bewusste Gestaltung der Beziehung zwischen Therapeut und Patient sowie der Einbezug der psychischen, sozialen, ökologischen und spirituellen (d. h. sinnstiftenden) Aspekte sind für die TEN wesentlich.